Helga König im Gespräch mit der Historikerin Dr. des Agnès Wiederkehr

Liebe Frau Dr. des. Agnès Wiederkehr, Sie sind eine in der Schweiz lebende Historikerin und twittern fast täglich historisch bemerkenswerte Fotos, um auf diese Weise etwas gegen das Vergessen zu unternehmen. 

Helga König: Können Sie zunächst etwas über die Herkunft der Fotos berichten? 

 Dr. des. Agnès Wiederkehr
Dr. des Agnès Wiederkehr: Die Fotos sind von mir angekauft, oder aus Foren. 

Helga König: Verändert es Ihrer Erfahrung als Schweizerin nach das Bewusstsein eines Volkes, wenn die Männer eines Landes seit vielen Jahren nicht mehr in den Krieg gezogen sind und falls ja, wie zeigt sich das in punkto Friedensliebe? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich sage es kurz, fast alle Menschen möchten Frieden, manchmal ist es unerlässlich, ein Regime mit militärischen Mitteln zu entfernen. 

 Helga König
Helga König: Dieser Tage haben Sie u.a. ein Bild getwittert, das 1941 in Prag entstanden ist. Hier motivieren die Nazis mittels eines Plakats die Menschen dazu, warme Kleidung für die deutschen Soldaten in Russland zu sammeln. Wie allseits bekannt ist, haben die Deutschen Russland ohne Kriegserklärung überfallen. War es mitmenschlich, den deutschen Soldaten warme Kleidung zu schicken, während im von ihnen belagerten St. Petersburg über 1 Million Menschen damals verhungerten und erfroren sind und die warme Kleidung der deutschen Soldaten das Elend der Eingeschlossenen gewiss nicht verringert hat? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich finde dieses Plakat irgendwie frech, wenn ich das sagen darf, ich denke, dass die meisten Tschechen sicher keine Deutsche Wehrmacht, SS, SD, oder Gestapo im Land wollten. Die warmen Wintersachen kamen meines Wissens erst im März 1942 an die Front. 

Helga König: Sie zeigen auch eine restlos zerstörte Stadt in der Normandie. Ein amerikanischer Militärkrankenwagen fährt die Straße entlang. Wie würden Sie dieses Foto im Hinblick auf Mitmenschlichkeit interpretieren?

 Dr. des. Agnès Wiederkehr
Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich denke, dass es auch ein Zeichen war, dass die Humanität wieder eingezogen ist. 

Helga König: Dann zeigen Sie ein Foto, das in Berlin im Mai 1945 entstanden ist. Hier sieht man unzählige deutsche Soldaten und Zivilisten auf dem Weg nach Russland. Konnte durch die Kriegsgefangenschaft das unsägliche Leid, dass die Deutschen den Russen antaten, gesühnt werden oder wären weitere Maßnahmen notwendig gewesen und wenn ja, welche, nach Ihrer Meinung? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Die Taten, z.B. durch die Einsatzgruppen der SS oder auch der Wehrmacht sicher nicht, die Leute wurden wegen Mangels an eigenen Menschen geholt.

 Helga König
Helga König: Bilder beeinflussen bekanntermaßen das Bewusstsein des Menschen. Hoffen Sie durch den Mix von Mode- und historischen Fotos, die Krieg und Elend zeigen, besonders jüngere Menschen wachrütteln zu können? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Das ist ein Ziel für mich, der Mensch kann nur die Gegenwart oder die Zukunft deuten, wenn er die Vergangenheit kennt, frei nach Dr. Helmut Kohl. 

Helga König: Was bezwecken Sie mit den historischen Farbbildern aus Kriegszeiten, die zwischendurch immer mal wieder zu sehen sind? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich möchte, oder ich versuche so, die damalige Zeit den jungen Menschen näher zu bringen, denn schwarz/weiß sieht nach Vergangenem aus. 

Helga König: Sie zeigen auch eine Aufnahme der zerstörten Stadt Dresden unmittelbar nach dem Feuersturm 1945. Auf dem Foto ist kein einziger Mensch zu sehen. Was fällt Ihnen spontan zu diesem Foto ein? 

 Helga König
Dr. des. Agnès Wiederkehr: Dantes Inferno. 

Helga König: Auf einem kolorierten Foto, das ich heute Morgen sah, sind amerikanische Soldaten und von den Nazis befreite, sehr glückliche Französinnen zu sehen. Welche Botschaft möchten Sie mit diesem Foto übermitteln? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Man kann wieder glücklich sein und Freude am Leben haben. 

Helga König: Was bedeutet für Sie Völkerfrieden, mehr als nur die Abwesenheit Krieg? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Glück, Freude und Zufriedenheit

Helga König: Was können die sozialen Netzwerke im Hinblick auf ein friedliches Miteinander leisten? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Schauen, dass die User einander mit Anstand und Respekt begegnen.


Liebe Dr. des. Agnès Wiederkehr,  ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König:

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